Mittwoch, 22. November 2017

Richards Bay - Südafrika!

Wir sind in Richards Bay, wir sind in Südafrika!
Als gestern Nachmittag die Leinen fest und der Motor aus waren, liefen die Tränen der Freude. Die der Verzweifelung waren schon fast vergessen. Wir sind angekommen, noch nie in vier Jahren hatten wir so zu kämpfen, um das Ziel zu erreichen. Gut vorbereitet haben wir Reunion verlassen, die Wettervorhersage sah gut aus, dass wir eine Front auf dem Weg nach Afrika erwischen werden war klar. Ohne geht es auf dem langen Schlag nicht. Die ersten Tage waren schön, leichte bis mittlere Winde brachten uns in die richtige Richtung.
Südlich von Madagaskar frischte der Wind dann auf, erst 25, dann 30 und am Ende waren es bis 44 Knoten Wind. Das sind 9 Windstärken, das ist Sturm. Der Wind kam von Achtern, Sabir und der Windpilot machten einen guten Job. Doch dann am letzten Dienstag, morgens um 4 Uhr gab es einen unglaublich lauten Knall, irgendwas ist gebrochen! Sofort nach oben, gucken was es war! Schnell war das Problem erkannt, der Beschlag an Deck, welcher die vordere Unterwante hält, war herausgerissen! Vier Bolzen mit 10mm Stärke waren gebrochen! Schöne Scheiße! Das nur kleine Vorsegel haben wir sofort geborgen, bloß kein Druck mehr im Rigg. Wir waren nicht mehr in der Lage zu segeln und das mitten in diesem unfreundlichen Ozean. Plan B musste zum ersten Mal her, wir haben den Kurs von West auf Nord geändert und wollten hinter Madagaskar Schutz suchen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir 3-4m Welle, es war unmöglich an Deck irgendwas zu machen. Unter Motor ging es für 22 Stunden hinter die große Insel. Am nächsten Morgen gegen 2 Uhr war das Wasser flach genug um das Problem in Angriff zu nehmen. Zum Glück gab die Schraubenkiste die passenden Bolzen her, etwas zu lang, egal! Drei Stunden später war die Wante wieder mit dem Deck verbunden, wir waren zurück auf Kurs! Die angekündigte Front kam auf uns zu, zum Glück nicht so heftig wie erwartet. Bei gut 30 Knoten konnten wir Halbwind nach Nordwesten segeln. Das Rigg hat gehalten.
Nach dem Wind folgte die Flaute, wir mussten auf unserem Weg nach Westen durch das neue Hoch motoren. Und da war es, das nächste Problem! Der Motor wurde zu warm, das Kühlwasser ergoss sich durch den Motorraum! Eine Lichtmaschine wurde zu nass und fiel aus. Wieder ging es an die Fehlersuche, das Kühlwasser raus, das Thermostat ausgebaut, den Deckel vom Ausgleichsbehälter gereinigt und alles wieder zusammen gebaut. Gestartet, alles gut! Stunden später wieder Wasserverlust, Öl im Kühlwasser! Die Ferndiagnose von Wetterfrosch Ludger war Zylinderkopfdichtung! Ja, schöne Scheisse!
Die letzten Motorstunden haben wir dann ohne Deckel, mit Ventilator und niedriger Drehzahl geschafft. Bloß den alten Schweden nicht überhitzen. Wir hatten in den letzten Tagen dann Zeitdruck, für gestern Abend war eine neue Front aus Südwest angekündigt! Im starken Agulhas Strom will man beim besten Willen nicht „Wind gegen Strom“ haben!
Es hat geklappt, die finalen 24 Stunden brachte uns ein starker Nordost Wind in den sicheren Hafen! Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen wie glücklich wir gestern waren als Sabir fest war! Jetzt warten wir auf die Offiziellen zum Einklarieren, danach werden die Wunden geleckt! Wir werden alle Bolzen austauschen, ein Diesel Mechaniker muss her, Duschen könnten wir auch mal, und schlafen, vieeel schlafen!
Eine Seefahrt die ist nicht immer lustig!
Dafür haben wir den Indischen Ozean hinter uns! Und darauf sind wir stolz!
Vielen Dank fürs Daumen drücken, ohne das wäre es wahrscheinlich noch viel schlimmer gekommen!
Ganz liebe Grüße aus Richards Bay in Südafrika!
Ilja und Stefan

last update: 16.12.17 06:53
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